#Achtsamkeit #Mentale Gesundheit #Mitarbeiterzufriedenheit #Smart Working

Mein Job, meine Berufung

Wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Privat verschwimmen


“Working 9 to 5, what a way to make a living”, heißt es in Dolly Partons 80er Jahre Hit. “Barely getting by, it’s all taking and no giving. They just use your mind, and they never give you credit. It’s enough to drive you crazy if you let it”.

Ob diese Zeilen bereits die ersten Grundsteine für einen Sinneswandel hinsichtlich unserer Arbeitsweise für Gen Z legten? Wir wissen es nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass 75 Prozent aller, die zwischen 1997 und 2012 zur Welt gekommen sind, den Zweck und die Bestimmung ihrer Arbeit als wertvoller erachten als die Gehaltszahlung.

Zum Vergleich: In der Generation der Millennials, geboren zwischen 1981 bis 1996, waren es bereits 70 Prozent, die nicht-monetäre Werte als wichtiger erachteten und bei den Baby Boomern, 1946 bis 1964 geboren, waren es immerhin schon 67 Prozent, die primär auf die Mission des Unternehmens ausgerichtet waren (das sagt jedenfalls eine Monster-Studie). Lässt das nun auf einen “Purpose-Trend” schließen?

In unserem ersten Artikel haben wir in diesem Monat über die verschiedenen Job-Typen gesprochen: Job, Karriere und Berufung. Im zweiten Artikel haben wir den Typus unter die Lupe genommen, der den Dienst nach Vorschrift bevorzugt und Arbeit und Leidenschaft trennen möchte. Hier möchten wir uns nun den Typen “Berufung” genauer ansehen. Was bedeutet “Berufung” eigentlich? Und welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich, wenn man einen Job hat, für den man brennt

”Berufung”: Was genau ist das eigentlich?  

“Ein Job mit Sinn” würden jetzt wahrscheinlich viele antworten. Andere würden sagen “Für ein Unternehmen zu arbeiten, das zurückgibt” oder “eine Mission hat”. Manche nennen es “Purpose”, andere sagen “Berufung”, “Geschenk für die Welt” oder “Lebensaufgabe” – und es gibt noch viele andere Namen, die sich die Life Coach*innen dieser Welt ausgedacht haben.

Im Grunde meinen sie allerdings alle das gleiche: Nämlich, dass du deinen Job nicht nur wegen der Moneten machst, sondern einen tieferen Sinn darin erkennst. Im Grunde also genau das Gegenteil vom Dienst nach Vorschrift. 

Laut der XING Gehaltsstudie 2019 spielt der Zweck des Jobs eine große Rolle: Jede*r Zweite wäre danach sogar bereit, für eine erfüllende Tätigkeit oder eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Aufgabe Einbußen beim Gehalt in Kauf zu nehmen.

Besonders die “Generation Y” ist hier ganz vorn mit dabei: Ein Drittel der 36- bis 45-Jährigen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt an, mehr Wert auf den Sinn ihrer Arbeit als auf das Entgelt zu legen, das Arbeitgeber*innen monatlich überweisen.

Auffällig ist hierbei, dass wir in diesem Zusammenhang meist an altruistische Konzepte denken wie: Die Umwelt schützen, den Klimawandel stoppen, Kindern und Tieren in Not helfen oder alten Menschen den Lebensabend verschönern. Das ist ja alles wichtig und toll, allerdings wird dadurch “Purpose” oftmals falsch verstanden. Denn, wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Mensch etwas anderes als für sich “sinnvoll” erachtet.

Für den einen bedeutet “Purpose” finanzielle Stabilität, einige freuen sich darüber deine Blumen zu schneiden und andere putzen mit Leidenschaft Fenster, weil andere dann klarer sehen können. “Purpose” ist damit sehr individuell definierbar und kann nicht generalisiert werden.

Auch die Unternehmenslandschaft hat den “Sinn-Trend” längst aufgespürt. Sie verstehen, dass sie heutzutage eine Schippe “Purpose” drauflegen müssen, um Mitarbeiter zu ködern und sie auch langfristig zu halten. Sie glauben nämlich: Wer voller Freude und Begeisterung dabei ist, erzielt bessere Ergebnisse. 

Purpose und Passion sind der beste Mix für engagierte Mitarbeiter

Der US-amerikanische Management-Professor Morton Hansen hat das Konzept von “Purpose” innerhalb einer Studie mit 5.000 Führungskräften einmal genauer unter die Lupe genommen. Dafür hat er untersucht, was Top-Performer*innen von anderen unterscheidet. 

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die mit Leidenschaft (Passion) bei der Arbeit sind, bessere Leistungen abliefern. Noch höhere Werte erzielten Menschen, die nach eigenen Angaben mit ihrem Job ihrer Berufung (Purpose) folgen. Noch höher lagen allerdings jene Teilnehmer*innen, die mit ihrem Job “Purpose” und “Passion” verknüpfen – sie erreichen um 18 Prozent mehr Leistung als Menschen, denen beides im Job fehlt. 

Der Forscher unterscheidet hier bewusst zwischen “Purpose” und “Passion”. Während Leidenschaft für ihn oftmals sehr ich-bezogen sei, gehe es bei der Berufung darum, einen Beitrag für andere Menschen, die Umwelt oder die Gesellschaft zu leisten – in welcher Form auch immer.  

”Sinn” als Katalysator für Mehrarbeit und Überstunden

Mit der Studie “Meaning and Purpose at Work” hat die Coaching-Plattform BetterUp das Phänomen des Purposes untersucht und folgendes herausgefunden: 

  1. Menschen, die ihren Job als “sinnstiftend” empfinden, bleiben durchschnittlich 7,4 Monate länger in einem Unternehmen als Mitarbeiter*innen, die ihren Job als sinnlos betrachten.
  2. Zufriedene Angestellte werden 64 Prozent weniger wahrscheinlich den Job wechseln.
  3. Mehr als neun von zehn Teilnehmer*innen würden für einen Job, der Purpose hat, Einbußen beim Gehalt machen – und sogar bis zu 23 Prozent weniger verdienen! 
  4. Arbeitnehmer*innen, die ihren Beruf als “sinnstiftend” empfinden, arbeiten im Durchschnitt mehr. Sie kommen auf eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Woche und gönnen sich im Jahr zwei bezahlte Urlaubstage weniger als andere. 

Laut der Studie sind Arbeitgeber*innen, die sinnstiftende Arbeit anbieten klar im Vorteil und haben finanziell Vorteile. So gewinnen sie, laut Studie, 9078 US-Dollar pro Mitarbeiter*in im Jahr.  

Die Schattenseite von Purpose: Wenn das Burnout anklopft 

Die Tatsache, dass man sich bei einem sinnstiftenden Job richtig ins Zeug legt, bringt allerdings auch so manche Nachteile mit sich, die sowohl Arbeitgeber*innen als auch Mitarbeiter*innen bewusst sein sollten: 

  • Durch die Bereitschaft Überstunden und weniger Urlaub zu machen, wächst das Burnout-Risiko
  • Es ist durchaus denkbar, dass man durch den Druck die Lust und Leidenschaft am einstigen Hobby verliert.
  • Durch eine große Identifikation kann die Trennung von Privat- und Arbeitsleben aufgehoben sein. Das Resultat: Ein erhöhtes Risiko für Burnout und Stress, weniger Zeit für soziale Kontakte und keine Zeit sich zu regenerieren.
  • Es können unliebsame Aufgaben hinzukommen oder Anweisungen, die das Bild der einstigen Leidenschaft trüben können. 

Das alles heißt natürlich nicht, dass du keinem Job mit Purpose nachgehen solltest. Es bedeutet einfach nur, dass du dir immer bewusst sein solltest, dass auch “Purpose” seine Schattenseiten mit sich bringt.

Wenn du also das nächste Mal deine persönlichen Bedürfnisse hinten anstellst, um noch vor dem Wochenende das Projekt zu beenden oder dein Team zu unterstützen, frage dich: Macht das gerade wirklich Sinn? Denn – nur, wenn auch deine Akkus aufgeladen sind, kannst du dabei helfen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und für andere Menschen da zu sein.  

Die eigene Berufung finden: Eine Anleitung zum Glücklichsein

Über den berühmt-berüchtigten “Purpose” gibt es zahlreiche Annahmen. Beispielsweise denken viele Menschen, dass sie keine besondere Eigenschaft oder Talent mitbringen, das sie mit der Welt da draußen teilen sollten. Andere wiederum gehen davon aus, dass die Berufung etwas unfassbar Großes sei, das nur wenigen Menschen zuteil wird. Einige warten darauf, dass ihnen jemand den “Purpose” vormacht und sie ihn nachmachen können.

Leider leben immer noch sehr viele Menschen etwas, das sie zwar als ihre “Berufung” empfinden, sie allerdings tief im Inneren gar nicht wirklich glücklich macht. Nur, wie erkennt man die Signale?

Nunja, viele von uns kennen das Szenario: Wir setzen uns Ziele und sind top motiviert sie zu erreichen, merken allerdings auf dem Weg dorthin oder am Ziel selbst, dass das erwartete Glücksgefühl ausbleibt. Panik oder Resignation bricht aus. 

Das könnte daran liegen, dass du etwas für dich ausgesucht hast, das vielmehr von äußeren Einflüssen wie familiärer oder gesellschaftlicher Konditionierung heraus geschehen ist als aus einem tiefen individuellen Bedürfnis und Wunsch heraus. Dazu kommen natürlich auch Verletzungen und Blockaden, die uns manchmal davon abhalten können, in unsere volle Kraft und Bewusstsein zu kommen. Deshalb tun wir oftmals, was wir eben “tun sollten” und nicht, was wir “tun wollen”. Den Unterschied hier zu erkennen, kostet viel Mut, Kraft und Präsenz, ist allerdings sehr kostbar.

Genau wie eine Palme nicht versucht ein Feigenbaum zu sein, sollten auch wir nicht versuchen jemand anderes zu sein. Ja, ja – “das ist leichter gesagt als getan” hören wir dich meckern – stimmt! Allerdings kannst du täglich mit ein paar einfachen Fragen beginnen: “Was ließ mein Herz heute so richtig im Dreieck springen?”, “Wann war ich heute am zufriedensten?” oder “Womit habe ich meine Mitmenschen heute so richtig glücklich gemacht?”, “In welche Richtung geht positives Feedback bei mir immer wieder?”.

Verstehe uns nicht falsch: Es ist nichts verkehrt daran, sich Ziele zu setzen. Wenn du aber anfängst, dir diese Fragen im Alltag zu stellen und deine Augen und Ohren offen zu halten, wirst du du immer mehr entdecken, warum genau du hier bist und was du mit der Welt teilen kannst, um sie zu einem besseren Ort zu machen – seien es Brötchen, Blumen, Cocktails, digitale Konzepte oder Musik.

Wir von Humanoo sind jedenfalls happy, dich in der Zwischenzeit mit unserer App mit Entspannungstechniken, Konzentrationsübungen und Stressmanagement zu supporten – von autogenem Training über Meditationsreisen bis hin zu Sound Healing.

Denn, ein gesunder Geist führt zu einem gesunden Körper und schafft so viel Raum, um dein ganz eigenes Potential für die Welt zu entdecken. Oder, wie Dolly es sagen würde: “And you’re in the same boat with a lotta your friends, launching ideas you all believe in, the tide’s gonna turn, and it’s all gonna roll your way.”

Dein Humanoo-Team

Written by Karina Schönberger

Originally published on 16. Mai 2021

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