#Achtsamkeit #Mentale Gesundheit #Mitarbeiterzufriedenheit #Smart Working

Den Job lieben? Muss nicht sein.

Warum es okay ist, wenn der Job nur ein Job ist.

Wenn man sich heutzutage so durch die Stellenanzeigen googelt, dann könnte man meinen, dass man sich für eine neue Familie bewirbt. Ein E-Commerce-Spezialist wirbt mit “positiver Aufbruchstimmung und familiärer Atmosphäre”. Eine Werbeagentur erwartet, “dass du nicht alles allein schaffen möchtest, sondern gerne teilst” und eine Onlineplattform wünscht sich “freundliche Umgangsformen und stetige Freundlichkeit”. Ein Start-Up verspricht “27 Nationalitäten in der Corporate Family inklusive zwei Hunden, einem vollen Kühlschrank und Momenten des Feierns”.

Der Gehaltsschein allein scheint Arbeitnehmer*innen nicht mehr glücklich zu machen. Sie wollen mehr, nämlich Purpose. H&M macht deshalb nicht mehr nur Klamotten, sondern verspricht “langanhaltenden Erfolg und Investition in Lebensumstände von Menschen, Communities und innovative Ideen” – aha. Disney macht nicht mehr nur Filme, sondern “schafft Freude durch magische Erlebnisse” und Sony produziert neben Elektronik “Inspirationen, die deine Neugier befriedigen”. 


Es scheint, als wäre Arbeit so viel mehr als nur Dienst nach Vorschrift. Es soll unser Bedürfnis befriedigen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Für einen sinnstiftenden Job würden die Befragten der Studie „Meaning and Purpose“ sogar 23 Prozent weniger Einkommen in Kauf nehmen. Kein Wunder, dass große Corporationen da ihre Chancen wittern und sogar dafür bereit sind, ihre Missionstatements umzutexten. 

Umso erstaunlicher, dass lediglich 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland tatsächlich eine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber spüren. 69 Prozent fühlen sich nur wenig gebunden und machen Dienst nach Vorschrift – das ist die deutliche Mehrheit! (Gallup Engagement Index 2019).

Und sowieso, was ist eigentlich so tragisch daran, sich nicht emotional an seinen Arbeitgeber zu binden? Das haben wir von Humanoo uns für diesen Magazinbeitrag gefragt. Wir möchten hier ein Plädoyer für diejenigen aussprechen, für die der Job nur Mittel zum Zweck ist, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Denn, vielleicht gibt es die Möglichkeit auch außerhalb des Berufs Purpose zu finden? 

Es gibt keine zwingende Verbindung zwischen Leidenschaft und Können

In seinem Buch “Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss” schreibt Volker Kitz darüber, dass es keine zwingende Verbindung zwischen Leidenschaft und Können gibt. Das karikiert er am Beispiel von Castingshows: Viele singen hier zwar mit Leidenschaft, seien allerdings nicht wirklich gut. Laut Kritz machen Menschen ihre Arbeit mit einer Prise Distanz besser, weil sie sie sorgfältiger und aufmerksamer beurteilen können. 

Der viel umstrittene “Dienst nach Vorschrift” wird damit weniger abstoßend und birgt das Potential, sich sogar zu einer Stärke zu verwandeln. Denn, wenn Menschen ihre Arbeit innerhalb ihrer vorgeschrieben Zeit schaffen, dann bedeutet es doch in erster Linie nur eines: Dass sie besonders effektiv arbeiten, oder? Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben sind leichter zu bewahren, wenn wir eine gesunde Distanz zur Arbeit pflegen und das Gefühl haben, nicht ganz mit unserer Tätigkeit verschmolzen zu sein. So gehört am Ende des Tages unser Kopf noch uns selbst und nicht unserem Arbeitgeber. 

Auch dürfen wir nicht vergessen, dass die Sinnfrage für jeden Menschen etwas anderes bedeutet. Nicht für jeden inkludiert “Purpose” eine Kinderhilfsorganisation in Indien. Viele fühlen sich gut dabei, Brot für andere zu backen, Blumen zu schneiden oder verstopfte Rohre zu reinigen – schließlich liegt hier auch ein großer Mehrwert für die Gesellschaft. 

Laut einer Befragung von Indeed wünschen sich 90 Prozent einen Job, der an erster Stelle Spaß machen soll. Denn, wichtig scheint vor allem eines zu sein: Dass wir in der Lage sind, unsere Fähigkeiten einzusetzen und unsere Talente auszuleben. 

Eine ablehnende Haltung macht langfristig krank

Dennoch muss an dieser Stelle gesagt sein, dass es eine feine Gratwanderung zwischen emotionaler Distanz seinem Arbeitgeber gegenüber und einem inneren Widerstand ist. Zweiteres kann langfristig sowohl körperlich als auch geistig krank machen, weil wir täglich etwas tun, das nicht mit unseren persönlichen Werten übereinstimmt – darüber haben wir im letzten Artikel geschrieben.   

Zahlreiche Studien beweisen, dass Arbeit, die Menschen als sinnlos erachten, früher oder später krank macht. Wie bereits erwähnt müssen wir sehr vorsichtig mit der Bewertung von “sinnvoller Arbeit” sein. Was für den einen sinnlos erscheint, kann für einen anderen Menschen sehr viel Sinn machen. 

Dazu kommt, dass für viele Menschen nicht nur der Inhalt der Arbeit an sich, sondern auch ein gesundes Arbeitsumfeld unabhängig von den eigentlichen Aufgaben Sinn bedeuten kann: Dazu gehören freundliche Kolleg*innen, Aufgaben, die nicht ins Burnout treiben oder vor Langeweile versauern lassen, ein netter Vorgesetzte*r oder aber Freiheit, sich Aufgaben zeitlich selbst einteilen zu können. 

Purpose kann man auch außerhalb der Arbeit finden 

Spannend ist auch, dass viele Menschen ihren Purpose bewusst außerhalb der Arbeitszeit leben und damit sehr zufrieden sind. Eine Kollegin aus unserem Team hat hierzu eine Geschichte eines guten Freundes angebracht.

Als leidenschaftlicher Gitarrist hat er sich schon immer gewünscht, seine Passion zum Beruf zu machen und in der Musikindustrie zu arbeiten. Gewünscht, getan: Er hat einen Job als Veranstaltungstechniker hinter den Kulissen gefunden und sich sehr darauf gefreut.

Nach ca. einem Jahr hat er den Job an den Nagel gehangen, weil die Arbeit einen Schatten auf seine musikalische Leidenschaft geworfen hat. Er hat sich deshalb entschlossen, als Immobilienmakler zu arbeiten und die Musik lieber weiterhin als Hobby zu leben. Heute spielt er nach Feierabend und an manchen Wochenenden in einer Band und lebt so seinen Purpose.

So wie diesem Freund unserer Kollegin geht es vielen Menschen. Sie finden den Raum für Selbsterfüllung nach Feierabend oder an den Wochenenden. Damit sagen wir nicht, dass sich nicht bestimmt einige davon wünschen würden, damit auch Geld verdienen zu können. Wir wollen hiermit nur für diejenigen sprechen, die dies bewusst wählen und ihren Purpose aus einer Freiwilligkeit heraus leben und nicht mit Bezahlung, Abgabefristen und Zielen vermischen möchten. Fair enough, oder? 

Wie uns Emotionen zu unserem Purpose führen können  

Bleibt doch die Frage: Wie findet man eigentlich seinen Purpose und was kann einem dabei helfen? Nun, das schöne ist, dass wir Menschen von Geburt an quasi ein natürliches System hierfür in uns integriert haben. Es gibt keinen Menschen, der es nicht besitzt. Es heißt: Emotionen.

Wenn du beginnst, deinen Emotionen zu lauschen, wirst du ganz natürlich zu den Dingen finden, die dich im Herzen erfüllen und dir Spaß machen. Jeder Mensch ist so einzigartig, dass es für jeden von uns einen ganz eigenen Sinn gibt, weshalb sie oder er auf die Welt kam.

Einer der Gründe, weshalb unsere Emotionen existieren, ist, um dich deinem ganz persönlichen Lebenssinn näherzubringen. Wenn du also das nächste Mal Freude empfindest, dann wahrscheinlich deshalb, weil du gerade sehr nah an etwas bist, was für dich persönlich “Sinn” bedeutet. 

Wenn du dir immer mehr erlaubst, deinen Emotionen zu folgen und dein Leben nach ihnen auszurichten, wirst du ganz automatisch zu deinem persönlichen Purpose finden. Sie sind der innere Kompass.

Was du hierfür tun kannst, ist eine Umgebung und Atmosphäre zu schaffen, in der du deine Gefühle bestmöglich wahrnehmen kannst. Für den einen geht das am besten in einer Meditation, beim Auspowern im Sport oder beim Lesen. Andere hören ihre innere Stimme am besten, wenn sie schwimmen gehen, im Wald spazieren oder malen.

Es lohnt sich also erst einmal herauszufinden, bei welchen Tätigkeiten du deine innere Stimme am besten wahrnehmen und deinen Emotionen freien Lauf lassen kannst. Wir von Humanoo bieten dir hierfür über 3.000 Online-Coachings und Videos aus den Bereichen Fitness, Achtsamkeit und Physio. Wöchentliche Classes zu Themen wie Meditation, Yoga, autogenem Training und Fitness-Workouts helfen dir, einen Gang runter zu fahren, wieder in dir anzukommen und zu entspannen. Denn erst, wenn wir aus dem Autopiloten gehen und uns erlauben zur Ruhe zu kommen, beginnt unser innerer Kompass die Richtung vorzugeben. 

Und, welche Emotion wüten gerade in dir? 

Der wohl wichtigste Ratschlag bei diesem Thema ist, geduldig und mitfühlend mit dir selbst zu sein. Wir leben in einer Gesellschaft, die es uns nicht gerade leicht macht, unserem eigenen Kompass zu folgen, unsere Emotionen zu leben und unserer inneren Stimme zu lauschen. Durch gesellschaftliche Konditionierungen und Erfahrungen in unserer Kindheit, kann dieser Kompass verdreht sein. 

Das Gute ist: Langfristig werden dir deine Emotionen den Weg schon weisen und sich bemerkbar machen. Als Erwachsener kannst du dann immer wählen: Hörst du auf deine innere Stimme oder bleibst du weiter im Autopiloten und versuchst, dein inneres “Alarmsystem” lahmzulegen? Denke hierbei immer an folgendes: Es gibt keine “guten” oder “schlechten” Emotionen. Es gibt nur unterdrückte und gelebte Emotionen.

Dieser Prozess ist nicht von heute auf morgen abgeschlossen. Es kostet Mut und Zeit vor allem dorthin zu schauen, wo es schmerzt und sich von Dingen zu lösen, die nicht mit deinem inneren Kompass und Lebenssinn im Einklang stehen. Lass dir allerdings eins gesagt sein: Der Gewinn ist unbezahlbar, nämlich Lebensfreude und ein Alltag im Einklang mit deinen Gefühlen und Werten. Der berühmte “Purpose” kommt so von ganz allein. Denn, eines Tages merkst du, dass du bewusste Entscheidungen triffst, die dir gut tun, für dich einstehst und dich von negativen Dingen fernhältst. Ist das nicht der eigentliche Sinn des Lebens?

Wir könnten im Dreieck springen vor Freude, dass wir dich bei diesem spannenden Prozess begleiten dürfen. Danke dafür. 
Dein Humanoo-Team

Written by Karina Schönberger

Originally published on 9. Mai 2021

Share this article

Share on linkedin
Share on xing

Diesen Artikel teilen

Du willst mehr Artikel wie diesen hier erhalten? Dann abonniere unseren HUMANOO Newsletter!

Sag uns, wie wir uns verbessern können!

Ähnliche Artikel

Möchtest du unseren B2B Newsletter erhalten?

Wir arbeiten täglich an spannenden und neuen Inhalten mit denen wir euch News über die Szene, Expertenwissen, Updates
und Websinare zukommen lassen. Willst du immer am Ball bleiben? Dann klick dich in unseren monatlichen Business Newsletter.