Wie zufrieden sind deutsche Arbeitnehmer:innen und welche Faktoren sind ausschlaggebend?

Die konjunkturelle Schwäche hinterlässt weiterhin Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im Januar 2020 erstmals wieder gestiegen. Gleichzeitig hält die hohe Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeiter:innen weiter an. Ihre Zufriedenheit spielt für den Erfolg des Unternehmens eine entscheidende Rolle. Doch welche Faktoren beeinflussen die Arbeitsplatzzufriedenheit am meisten? 

Die meisten Menschen in Deutschland gehen einem regelmäßigen Erwerb nach und kurbeln durch ihre Arbeitsleistung die Wirtschaft an. Doch wie zufrieden sind deutsche Arbeitnehmer:innen und welche Faktoren sind für die Arbeitsplatzzufriedenheit ausschlaggebend? Wie können Personaler.innen die Mitarbeiter:innen zufriedener und dadurch das Unternehmen langfristig erfolgreich machen? Dieser Artikel liefert dazu Antworten. 

Arbeitsplatzzufriedenheit – aktuelle Studien und Daten in deutschen Unternehmen 

Studie von Avantgarde-Experts 

Das Recruiting-Unternehmen Avantgarde-Experts führte 2019 eine umfassende Befragung von 1.000 deutschen Arbeitnehmer:innen durch. Bei der Studie sollten die Arbeitnehmer:innen ihre Arbeitszufriedenheit auf einer Skala von 1-10 bewerten. Das Ergebnis: Rund drei Viertel der Arbeitnehmer:innen in Deutschland sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. Dabei sind Männer tendenziell glücklicher mit ihrem Job als Frauen. Auch mit dem Alter stieg bei der Befragung die Arbeitszufriedenheit leicht an.

Studie von Robert Half

Der Personaldienstleister Robert Half führte eine paneuropäische Studie zur Arbeitszufriedenheit durch. Den Ergebnissen zufolge gehören Deutschlands Arbeitnehmer:innen dabei zu den zufriedensten in Europa. Drei Faktoren sind dabei entscheidend: Das Gefühl persönlicher Freiheit im Job, Stolz auf das Unternehmen sowie ein respektvoller und fairer Umgang mit den Mitarbeiter:innen.

Grundsätzlich positiv, zeigt die Studie jedoch auch wo noch Verbesserungsbedarf besteht: Nur 67 Prozent der Arbeitnehmer:innen gaben an, Respekt und Fairness in ihrem Job zu erfahren. Ähnlich sieht es bei den Themen „Freiheit“ und „Identifikation“ aus: Nur 62 Prozent erleben persönliche Freiheit am Arbeitsplatz und lediglich 60 Prozent sind stolz auf ihren Arbeitnehmer:in (Robert Half, 2017). 

Die Studie untersuchte auch, wer Arbeitnehmer:innen zufolge für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz verantwortlich ist. Mehr als jede:r dritte Arbeitnehmer:in erwartet dabei vom Unternehmen, für das Glück am Arbeitsplatz zu sorgen. Interessanter Fakt: Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln fand heraus, dass starker Termindruck, befristete Arbeitsverträge sowie Nacht- oder Schichtarbeit nicht unbedingt einen negativen Einfluss auf die Arbeitsplatzzufriedenheit haben müssen (Hammermann & Stettes, 2013). 

Vergleich der Arbeitszufriedenheit mit anderen Ländern 

Die Arbeitsplatzzufriedenheit wird darüber hinaus stark von kulturellen Standards und Wertvorstellungen beeinflusst. Arbeitnehmer:innen bewerten ihre Zufriedenheit keinesfalls subjektiv, sondern immer in Relation zu ihren Mitbürger:innen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielen ebenfalls eine große Rolle.

Seit 1991 wird in regelmäßigen Abständen die European Working Conditions Survey durchgeführt. Für die letzte Erhebung 2015 wurden 43.850 Erwerbstätige aus 35 europäischen Ländern befragt, darunter 2.093 in Deutschland. Deutschland liegt im Vergleich auf einem sehr hohen Niveau (88 Prozent), die zufriedensten Arbeitnehmer:innen finden sich in Estland (90,6 Prozent), Österreich (92,9 Prozent) sowie Finnland (90,2 Prozent) (Hammermann & Stettes 2017). 

Welche Auswirkungen hat die Arbeitszufriedenheit auf die psychische Gesundheit?

Der klassische 8-Stunden-Tag bedeutet: Gut die Hälfte der Zeit, in der Erwerbstätige wach sind, wird in der Arbeit verbracht. Dementsprechend groß ist auch der Einfluss der Arbeitszufriedenheit auf die gesamte Lebenszufriedenheit.

Wer bei seiner Arbeit Glück und Anerkennung erfährt, ist auch insgesamt glücklicher. Im Umkehrschluss bedeutet das: Unzufriedenheit im Job sorgt für Unzufriedenheit und Frustration im Leben. Doch mehr als das: Andauernder Frust kombiniert mit negativen Randbedingungen kann sogar zu einer Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit führen.

Insbesondere Mobbing ist ein hoher Risikofaktor. Mobbing am Arbeitsplatz sowie fehlende soziale Unterstützung sind ein häufiger Grund für die Abnahme von Leistung, fehlendes Engagement und Burnout.

Welche Faktoren beeinflussen die Arbeitsplatzzufriedenheit?

Es gibt zahlreiche Faktoren, die zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz beitragen. Unter Auswertung verschiedener Studien lassen sich sechs Hauptkriterien identifizieren:

1. Arbeitnehmer:innen und Job müssen gut zueinander passen

Nicht jede:r Arbeitnehmer:in eignet sich für jedes Unternehmen. Die individuellen Werte und Ziele des:der Arbeitnehmers:Arbeitnehmerin sollten mit denen des Unternehmens vereinbar sein. Erst dann kann auch Stolz auf das Unternehmen entwickelt werden.

2. Arbeitnehmer:innen müssen Verantwortung am Arbeitsplatz übernehmen können

Verantwortung zu übernehmen erzeugt ein Gefühl der Selbstbestimmung und Kontrolle. Nur die wenigsten Arbeitnehmer:innen wollen stumpfe Befehlsempfänger:innen sein. Je größer die Möglichkeit zur Eigenverantwortung, desto größer auch die Eigeninitiative und Lust zur kreativen Einbringung. Davon profitieren Unternehmen direkt.

3. Arbeitnehmer:innen müssen ehrliche Wertschätzung erfahren

Zahlreiche Studien belegen es: Die Wertschätzung am Arbeitsplatz spielt eine extrem wichtige Rolle für die Arbeitszufriedenheit und auch die generelle Lebenszufriedenheit. Mitarbeiter:innen wollen nicht nur getadelt und verbessert werden, sondern auch lobende Worte und Motivation für vollbrachte Leistungen erfahren. Vorgesetzte, die es schaffen ihren Mitarbeiter:innen ein Gefühl der Wertschätzung zu geben, kreieren eine positive und leistungssteigernde Arbeitsatmosphäre.

4. Arbeitnehmer:innen müssen ihre Arbeit als sinnstiftend empfinden 

Für die „Generation Y“ längst Normalität, erreicht der Anspruch auf Sinnhaftigkeit am Arbeitsplatz mittlerweile auch Menschen anderer Altersklassen. Arbeitnehmer wollen ihre Arbeit als bedeutsam erleben und Selbstwirksamkeit erfahren. Daraus erwachsen dann Gefühle von Autonomie und Kompetenz.

5. Ein respektvoller und fairer Umgang ist wichtig 

Flache Hierarchien und gleiches Mitbestimmungsrecht für alle Mitarbeiter:innen im Unternehmen erleben zurzeit einen Aufschwung. Mitarbeiter:innen wollen nicht von oben herab, sondern mit Respekt und Fairness behandelt werden. In diese Kategorie fallen beispielsweise auch der Umgang mit Mutterschaft oder krankheitsbedingtem Arbeitsausfall.

6. Arbeitnehmer:innen müssen ein positives Arbeitsklima vorfinden

Zu einem positiven Arbeitsklima tragen zum einen die sozialen Strukturen bei. Wer seine Arbeitskolleg:innen mag, geht wesentlich lieber zur Arbeit. Doch auch Faktoren wie die Büroeinrichtung oder die Qualität der technischen Geräte tragen zu einem positiven Arbeitsklima bei. In einer hellen, anregenden Umgebung fühlen sich Mitarbeiter:innen wesentlich wohler als in einem dunklen, geschlossenen Raum.

Die Bedeutung zufriedener Arbeitnehmer:innen für das Unternehmen

Die Bedeutung der Mitarbeiter:innenzufriedenheit für den Erfolg des Unternehmens ist kaum zu überschätzen. Zufriedene Mitarbeiter:innen sind ihrem Arbeitsplatz länger treu. Sie arbeiten produktiver, sind innovativer und seltener krank. Sie sind leistungsfähiger und können auch unter hohem Druck effizient arbeiten. Zufriedene Arbeitnehmer:innen empfehlen ihr Unternehmen weiter und steigern die Reputation. Somit fällt es dem Unternehmen auch leichter,  kompetente neue Fachkräfte zu rekrutieren.

Quellenangaben: 

Avantgarde Experts (2019): “Quo Vadis ‚Arbeiten in Deutschland‘? 2019”
https://www.avantgarde-experts.de/de/magazin/quo-vadis-arbeiten-in-deutschland-2019/

Drössler, S.; Steputat, A.; Schubert, M.; Euler, U. & Seidler, A. (2016): Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Soziale Beziehungen. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Hammermann, A. & Stettes, O. (2013). Qualität der Arbeit – zum Einfluss der Arbeitsplatzmerkmale auf die Arbeitszufriedenheit im europäischen Vergleich. https://www.iwkoeln.de/fileadmin/publikationen/2013/117398/TR-2-2013-Hammermann-Stettes.pdf

Hammermann, A. & Stettes, O. (2017). Qualität der Arbeit in Europa. Eine empirische Analyse auf Basis des EWCS 2015. IW-Report 24/2017.

Robert Half (Hrsg.) (2017). Führungskräfte gehören zu den glücklichsten Mitarbeitern
https://www.roberthalf.at/presse/fuehrungskraefte-gehoeren-zu-den-gluecklichsten-mitarbeiter

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