#Wohlbefinden

Angst vorm Winterblues? – Vergänglichkeit und was wir von ihr lernen können

Im dunklen Monat November haben wir im Team entschieden, das Thema #winterblues genauer auseinander zu nehmen. Schließlich fühlen wir es alle: Die Tage werden wieder kürzer, die Lichtverhältnisse dunkler und die Stimmung im Büro sinkt.

Oftmals würden auch wir uns am liebsten unter der Bettdecke verkriechen und gar nicht mehr rausgehen. Man hat gefühlt weniger Energie zu Verfügung und alles wird trister. Doch, warum ist das so? Und was versucht uns die Natur da eigentlich zu sagen? Oder stecken wir einfach alle in einer saisonalen Depression?

Diese Fragen haben uns in den letzten Wochen beschäftigt, weshalb wir in diesem ersten Artikel darüber schreiben, was es mit dem Übergang in die dunkle Jahreszeit auf sich hat. Im zweiten Artikel werden wir dann Körper und Geist genauer untersuchen und die Auswirkungen, den Herbst und Winter auf sie haben. Im dritten Artikel gibt es für dich konkrete Alltagstipps, wie du die dunkle Jahreszeit überstehst und gestärkt ins neue Jahr kommst.

Wir sind uns sicher, dass dir die Tage nach diesem Artikel gar nicht mehr so trist vorkommen und du auch die schönen Seiten erkennen wirst.

Was die Götter der griechischen Mythologie mit dem Herbst zu tun haben

Nun, um den Menschen, die Natur und ihr Zusammenspiel zu verstehen, hilft es oftmals, in die griechische Mythologie zu schauen. 

Der Erzählung nach brauchte Hades, der Gott der Unterwelt, eine neue Frau. Selbstverständlich durfte das nicht irgendeine Frau sein, sondern eine schöne Göttin aus gutem Hause, sodass er sich in die Tochter von Zeus und Demeter verliebte, die damals den Namen “Kore” trug. 

Da Charme keine von Hades Stärken war, er dafür aber umso besser darin war, seine Wünsche mit Gewalt durchzusetzen, entführte er Kore kurzerhand in die Unterwelt. Für die Menschen auf der Erde war das natürlich eine Katastrophe, schließlich war Kore als Göttin der Fruchtbarkeit für das Erblühen der Natur zuständig. So herrschte Dürre auf der Erde und nichts wuchs mehr – die Menschen mussten hungern.

Wie es sich für einen guten Vater gehört, versuchte Zeus, seine Tochter zu retten und schaffte dies mithilfe eines Kompromisses. Der sah folgendermaßen aus: Die ersten drei Monate eines Jahres sollte Kore unter dem Namen “Persephone” mit Hades die Unterwelt beherrschen und den Rest des Jahres durfte sie bei ihrer Mutter auf der Erde verbringen, sodass die Natur blühen konnte. 

Diese Erzählung ist so viel mehr als nur ein Mythos. Sie bringt uns das herbst- und winterliche Prinzip der Metamorphose und Wiedergeburt nahe, das den Abstieg in die Dunkelheit vor dem Aufstieg ins Licht symbolisiert. Dieses Prinzip kannst du in jedem Samenkorn in der Natur beobachten, das sich den Weg durch die dunkle Erde bahnt, um im Frühling den Kopf in Richtung Licht zu recken.

Die Natur in ihrer alljährlichen Metamorphose: Wenn es sich auch Tiere und Pflanzen gemütlich machen

Wenn man dieses Prinzip einmal verinnerlicht hat, wirst du es überall im Außen beobachten können. Am auffälligsten begegnet uns der Herbst und Übergang zum Winter wohl bei den Bäumen.

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und es steht weniger Licht zur Verfügung. Weniger Licht bedeutet auch, dass Bäume und Pflanzen ihre Photosynthese zurückfahren – das ist der Prozess, in dem Kohlendioxid aus der Luft und Wasser in Traubenzucker und Sauerstoff verwandelt wird.

Dabei hilft vor allem Chlorophyll, der grüne Farbstoff in den Blättern. Je weniger Licht zur Verfügung steht desto schneller wechseln die Blätter ihre Farbe und fallen ab. Eine Birke kann bis zu 28 Kilogramm pro Jahr verlieren, während eine Rosskastanie durschnittlich bis zu 25 Kilogramm Laub produziert. 

Die Bäume lassen also altes einfach los, ruhen sich im Winter aus und sammeln Kraft für einen Neubeginn im Frühling. Viele Tiere machen es ihnen nach. Der Igel und einige andere Nagetiere fallen beispielsweise in einen Winterschlaf, bei dem die Körpertemperatur leicht herabgesetzt und die Funktionen damit auf ein Mindestmaß heruntergefahren werden. 

Eichhörnchen verschlafen nur einen kleinen Teil des Winters, halten aber dennoch eine gewisse Ruhe ein. Sie rennen also nicht mehr ganz so energisch umher und sammeln stattdessen einen Vorrat, den sie verstecken. Auch Fische haben eine Taktik, um den Winter zu überstehen. Sobald es draußen kälter wird, sinkt ihre Temperatur und das Blut kühlt ab. Auch sie sind dann träger und suchen sich Verstecke. Sollte ihre Körpertemperatur unter einen bestimmten Grad sinken, fallen sie in eine Kältestarre, aus der sie dann erst im Frühling wieder erwachen. 

Der Archetyp Skorpion symbolisiert den Wandel und Neubeginn in uns

Wie du sicherlich weißt, wandert die Sonne ab dem 24. Oktober in das Tierkreiszeichen des Skorpions – deshalb gibt man im Volksmund auch Menschen, die im folgenden Monat Geburtstag haben, das Sternzeichen Skorpion. Auch hieraus können wir viel ablesen, schließlich setzt die Astrologie astronomische Konstellationen und Vorgänge auf der Erde in ein Verhältnis – ganz nach dem Prinzip “Es ist im Großen, wie im Kleinen – Wie oben, so unten”. 

Was sagt uns also der Archetyp des Skorpions im Herbst über die Vorgänge auf der Erde und damit auch in uns selbst? Symbolisch steht dieser Archetyp für Wandel, Transformation und Wiedergeburt. 

Wie Persephone in die Unterwelt, sollen wir diese Phase nutzen, um in die Tiefen unseres Seins hinabzusteigen und unangenehmen Gefühlen wie Neid, Eifersucht, Gier, Wut oder Trauer zu begegnen. 

Wenn wir in dieser dunklen Jahreszeit auch unseren inneren Schattenseiten begegnen und sie ins Bewusstsein holen, können wir sie verwandeln und uns von dem Druck befreien, der von ihnen ausgeht. Und schwupps, auf einmal machen sie einem gar keine so große Angst mehr.  

Eines sei an dieser Stelle angemerkt: Energie kann nicht zerstört werden, sie kann sich nur wandeln. So auch unsere Emotionen, die wir im Laufe eines Jahres mit uns herumschleppen. Sie lungern in unseren Zellen, machen uns zu schaffen und warten in dieser Zeit endlich darauf, gesehen zu werden. 

Das wird sich im ersten Moment nicht immer gut anfühlen, allerdings wird es uns dadurch möglich, diese Energien, wenn wir sie einmal umgeleitet haben, produktiv in unseren Lebensalltag zu integrieren und in andere Ausdrucksformen einfließen zu lassen. 

Der Skorpion mit seinem Stachel erinnert uns also daran, dass für eine gesunde Entwicklung auch Dunkelheit, Tiefgang und Veränderungen notwendig sind. Er lockt uns aus der Reserve, damit wir alte Strukturen hinterfragen und loslassen, uns für Innenschau zur Ruhe setzen, um schon bald in neuer Pracht wie der Phoenix aus der Asche emporsteigen zu können. 

Gibt es Zeit für Rückzug in einer optimierten Gesellschaft? 

Ob griechische Mythologie, Natur oder Astrologie – all’ diese Betrachtungen zeigen uns, dass der Herbst eine Zeit des Rückzugs und der Innerkehr sind. 

Auch Psychologen sind sich einig, dass es durchaus normal ist, wenn wir uns im Übergang von Herbst und Winter antriebsloser und langsamer fühlen. Das eine oder andere Stimmungstief ist nicht gleich eine Winterdepression, wie es so häufig missbräuchlich verwendet wird. 

Dieses “Tief” ist sogar medizinisch zu erklären, worauf wir im nächsten Beitrag genauer eingehen werden. An dieser Stelle lässt sich allerdings schon einmal sagen: Der Mangel an Licht in der beschriebenen Übergangszeit verändert auch unsere Hormone. 

Vor allem das “Schlafhormon” Melatonin wird stärker ausgeschüttet als sonst und macht uns deshalb schneller müde. Gleichzeitig verringert sich aber auch die Ausschüttung von Serotonin, unseres “Glückshormons”. Kein Wunder, dass man in dieser Jahreszeit den Kopf auch mal hängen lassen und sich wie ein Igel im Winterschlaf verkriechen möchte. 

All das wäre im Grunde ja gar kein Problem, wenn wir die Möglichkeit hätten, uns in dieser Zeit zurückzuziehen und die Energiereserven aufzuladen. Viele nordische Kulturen machen es uns vor. Sie erlauben sich nämlich in dieser Zeit einen “gesellschaftlichen Winterschlaf” und nutzen die Pause zur Innenschau. 

Das Problem liegt leider nur darin, dass in unserer Gesellschaft diese natürlichen Tendenzen zum Symptom gemacht werden. Ist man im Herbst und Winter also schlapper als sonst und hat Stimmungsschwankungen, leidet man schnell unter der besagten “Winterdepression”.

Fast alle Arbeitgeber erwarten, dass wir die gleiche Leistung an den Tag legen wie in den übrigen Monaten. Dabei ist die Zeit der Selbst-Reflektion in dieser Phase eine natürliche Funktion des Bewusstseins und für uns alle sehr wichtig. Vielleicht sollte das auch einmal der ein oder andere Chef lesen. 

Was ist es stattdessen, was wir in der dunklen Jahreszeit so dringend brauchen? 

Statt uns in dieser dunklen Jahreszeit weiterhin an unser Limit zu pushen und den Körper herauszufordern mit weniger Energie die gleiche Leistung zu erbringen, sollten wir den Mut aufbringen, in die eigene Dunkelheit zu tauchen.

Die Tatsache, dass die Tage kürzer und die Nächte länger werden, ist eine Einladung, der Dunkelheit des Lebens zu begegnen und uns den eigenen Ängsten zu stellen – und damit unserem Ego und unserem Unterbewusstsein. So können wir uns nachhaltig für die Wiedergeburt vorbereiten, die uns alle nur drei Monate später erwartet. 

Wir können uns darin üben, den Herbst und Winter als das zu sehen, was es ist: Eine Zeit des Wandels, des “Goodbye”-sagens, des Loslassen innerer Widerstände und der inneren Reinigung. 

Es ist die Zeit, in der wir uns mit einer Tasse Kakao ohne schlechtes Gewissen in unsere Häuser und Wohnungen zurückziehen, Verabredungen absagen und alte Themen nochmals ins Bewusstsein steigen lassen können: Welche Gedanken sind bereit, losgelassen zu werden und welche liegen einem immer noch schwer auf der Brust?  

Vor allem ist es aber auch eine Zeit der Dankbarkeit und Rückschau. Wir können uns fragen, was uns im letzten Jahr besonders Freude bereitet hat und welche schwierigen Phasen uns haben wachsen lassen. So geben wir sowohl Körper als auch Geist die Ruhe, die sie brauchen, um im Frühling mit all unserer Kraft dem Licht zu begegnen und einen neuen Zyklus wieder von vorn zu beginnen. 

Und, was wirst du an kalten Tagen für dich tun?

Wir hoffen, dass wir dich mit diesem Artikel dazu inspirieren konnten, dich an kalten und dunklen Tagen zurückzuziehen und dir Zeit zu widmen. Es wird zwar nicht immer leicht sein in dieser Zeit der Metamorphose – aber das muss es auch nicht. 

Oder um es in Richard Bachs Worten zu sagen: “Was für eine Raupe das Ende der Welt ist, nennt der Meister einen Schmetterling.”

Also lass dich ein auf diese Zeit des Wandels – mit allen deinen Sinnen und den dazugehörigen Gefühlen. Um im Frühling gestärkt wieder neu beginnen zu können. Mit allem, was dann bei dir geblieben ist. 
Dein Humanoo-Team

Written by Karina Schöneberger

Originally published on 30. Oktober 2020

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