#Gesundheit #Wohlbefinden

Warum tut mein Rücken dauernd weh? – Wie Rückenschmerzen es zur Volkskrankheit geschafft haben

Wir alle kennen dieses Gefühl, wenn der Körper mal nicht so will wie wir es uns vorstellen. Es drückt im Kopf, zieht im Nacken oder sticht im unteren Rücken. “Doch nicht gerade jetzt” ist bestimmt einer der häufigsten Gedanken, schließlich passen Schmerzen nie so richtig auf die To-Do-Liste.

Wer denkt, dass ein Schnupfen die häufigste Ursache für Krankschreibungen ist, der liegt falsch. Der DAK-Gesundheitsreport bestätigt, dass es vor allem Rückenprobleme und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen sind, die die Arbeitnehmer schachmatt setzen. Ganze 21 Prozent der Fehltage lassen sich darauf zurückführen. Deutschland scheint etwas gewaltig schwer auf dem Rücken zu tragen – nur, was ist es? 

Unter dem Titel #painkillers möchten wir diesen Monat das Thema Schmerzen einmal genauer unter die Lupe nehmen. In diesem ersten Beitrag möchten wir erforschen, was Schmerzen eigentlich sind und wie sie überhaupt entstehen. Wir möchten uns vor allem Rückenschmerzen widmen und uns die Frage stellen, wie sie überhaupt zustande kommen.

In den nächsten beiden Beiträgen werden wir dir dann Behandlungsmethoden vorschlagen und Tipps an die Hand geben, welche Methoden es abseits von Schmerztabletten sonst noch so gibt, um beschwerdefrei durch den Alltag zu kommen.

Schmerzen: Das natürliche Alarmsystem deines Körpers

Jeder von uns hat schon einmal Schmerzen gehabt. Das können Nackenverspannungen oder auch Herzschmerzen aufgrund einer Trennung gewesen sein. Wie du also siehst, sind Schmerzen nicht immer gleich Schmerzen – es gibt unterschiedliche Arten davon.

Nehmen wir einmal ein ganz einfaches Beispiel, um die Prozesse im Körper zu verstehen: Wir stoßen uns versehentlich mit der Stirn an einem offenen Küchenschrank im Büro (Autsch!).

Alles beginnt mit Schmerzrezeptoren auf deiner Haut, die in diesem Moment aktiv werden und elektrische Signale abgeben. Diese werden nun übers Rückenmark ins Gehirn in den somato-sensorischen Cortex transportiert. Hier wird nun geklärt:

  • Woher kommt der Schmerz?
  • Wie groß ist die Schmerzstelle?
  • Wie intensiv ist die Empfindung?
  • Wie lange wird es schmerzen?

Doch auch der motorische Cortex im Gehirn will tätig werden und uns entweder dazu veranlassen ganz schnell die Flucht zu ergreifen oder eine Pause einzulegen, um uns vom Schmerz zu erholen. So würdest du doch ganz bestimmt ein Gespräch unterbrechen, wenn du dir gerade den Kopf am Küchenschrank gestoßen hättest.

Gleichzeitig zu all diesen Prozessen werden Areale geweckt, die für die emotionale Verarbeitung des Schmerzes zuständig sind. Hier geht‘s also darum, wie du mit dem Schmerz umgehst. Die Palette der Möglichkeiten ist groß: weinen, lachen, schreien oder in Ohnmacht fallen (hoffentlich nicht!). 

Manche Schmerzen können aber auch tiefe Emotionen wie Angst oder Panik auslösen, weil wir an etwas erinnert werden, was wir womöglich im Unterbewusstsein – vermeintlich sicher – verstaut haben (hier kann Schmerz als Trigger wirken). 

Egal, wie nervig es auch sein mag, das alles sind sehr sinnvolle Prozesse, die zeigen, was für ein Wunderwerk unser Körper eigentlich ist. So kannst du dich nämlich in akuten Schmerzsituationen zurücknehmen, den Schmerz verarbeiten und wieder zur Ruhe kommen. Doch was passiert, wenn der Schmerz zur Dauerbelastung wird?

Chronische Schmerzen: Wenn selbst kleine Reize zur Geduldsprobe werden

Wie du vorhin gelesen hast, hängen die meisten Krankschreibungen in Deutschland mit Rückenschmerzen oder Muskel-Skelett-Erkrankungen zusammen. Weil die Schmerzen hier in vielen Fällen bereits länger andauern, sprechen wir von chronischen Schmerzen. Chronische Schmerzen führen zu einem Schmerzgedächtnis.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich bei chronischen Schmerzen die zuständigen Hirnareale, von denen wir gerade gesprochen haben, verändern.

Weil sich das Hirn zum Beispiel vor einer emotionalen Überlastung von Schmerzen schützen möchte, wird das zuständige Hirnareal einfach verkleinert, sodass weniger Schmerz empfunden wird. Das macht im ersten Moment Sinn, ist aber für den betroffenen Menschen langfristig von Nachteil, weil dieses Hirnareal körpereigene Opiate herstellt, die unsere Empfindlichkeit verringern.

Konkret bedeutet das: Ist dieses Areal kleiner, können unsere Schmerzen nicht mehr so gut reguliert werden und wir empfinden selbst kleine Reize als unangenehm. Unsere “Zündschnur” wird also kürzer.

Das kann nicht selten in einer negativen Abwärtsspirale enden, denn Schmerzpatienten mit chronischen Schmerzen neigen deshalb dazu, Ereignisse generell negativer zu bewerten als sie eigentlich sind. Und wir wissen auch, dass Menschen, die generell negativ eingestellt sind, viel leichter Schmerz empfinden als positive Menschen. Schon steckt man fest und kommt aus diesem Kreislauf nicht mehr heraus.

Die guten Nachrichten sind: Das Schmerz-Hirnareal lässt sich wieder vergrößern, kann sogar wieder auf seine ursprüngliche Größe zurückkehren, wenn man die Schmerzen erfolgreich behandelt – so die Wissenschaft.

Was sich manchmal wie ein Alptraum anfühlen mag, ist in Wahrheit biologisch gesehen ein wahrer Segen. Warum? Weil Schmerzen die natürliche Alarmanlage des Körpers sind.

Im Grunde versucht dir der Körper dadurch zu sagen: “Halt stopp mal, hier stimmt gerade etwas nicht und ich fordere dich auf, dass du hinschaust!”. Manchmal müssen wir leider so vom Leben ausgebremst werden, dass gefühlt gar nichts mehr geht, um die Bedürfnisse unseres Körpers und Geistes wirklich ernst zu nehmen und ein bewusstes Leben zu beginnen.

Wie viele Arten von Schmerzen gibt es und wie fühlen sie sich an?

Grundsätzlich lassen sich Schmerzen in unterschiedliche Kategorien und Arten einteilen. Das hilft vor allem Ärzten, Physiotherapeuten, Osteopathen, Heilpraktikern und Co. sie zu behandeln. Einige davon findest du nachfolgend:

  • Nozizeptor-Schmerzen. Sie ist die größte Kategorie von Schmerzen. Hier werden die Schmerzrezeptoren für Gewebeverletzungen stimuliert, die auf der Haut und den inneren Organen liegen. Wir kennen das von Verbrennungen, Schnittwunden oder Prellungen.
  • Reflektorische Schmerzen. Diese Art von Schmerzen entsteht, wenn wir eine Fehlhaltung annehmen – beispielsweise beim Arbeiten. Hier finden auch wieder die Rückenschmerzen Erwähnung, die meist aus einer solchen Fehlhaltung entstehen.
  • Psychosomatische Schmerzen. Diese Schmerzen werden vor allem durch psychische Belastungen ausgelöst. Nehmen wir an, dass wir im Büro im übertragenen Sinne “viel zu tragen” haben und mit Stress überladen sind, leidet der Nacken oder Rücken oftmals darunter – theoretisch auch ohne Fehlhaltung. Seelischer Stress ist bei dieser Art von Schmerzen der Auslöser. Diese Schmerzen können theoretisch auch anhalten, wenn die anatomischen Ursachen behoben sind.
  • Viszerale Schmerzen. Hier geht‘s vor allem um Schmerzen, die aus den inneren Organen kommen. Es gibt Bereiche auf unserer Haut, die als “Head’sche Zonen” bezeichnet werden. Meist spürt man die Schmerzen dort, wo auch das Organ liegt, zum Beispiel Schmerzen in der Brust beim Herzinfarkt. In anderen Fällen liegt die Head’sche Zone allerdings weiter weg vom Organ, so hat die Gallenblase ihre Head’sche Zone an der rechten Schulter. Ein erfahrener Therapeut kann hier wahre Detektivarbeit leisten.

Rückenschmerzen am Arbeitsplatz: Die Ursache allen Übels?   

Da wir die meiste Zeit am Arbeitsplatz verbringen, sind die Übeltäter-Faktoren für Rückenschmerzen oftmals im Büro zu finden. 

Körperliche Faktoren für Schmerzen können sein:

  • Falsche Sitzhaltung am Arbeitsplatz 
  • Fehlerhafte Einstellung des Laptops / PCs
  • Zu langes Stehen
  • Heben und Tragen von schweren Dingen
  • Einseitige Körperhaltung
  • Keine oder eine schwache Rückenmuskulatur

Neben den körperlichen Faktoren gibt es wie bereits erwähnt auch psychologische Faktoren, die immer mitbedacht werden sollten: 

  • Arbeitsstress durch dicke Luft im Büro
  • Einhaltung von utopischen Deadlines
  • Druck vom Chef
  • Mobbing durch Kollegen
  • Überforderung durch zu viele Aufgaben 

Mal nach innen schauen: Rückenschmerzen haben ihren Ursprung oftmals in der Psyche

Eine europäische Untersuchung zu Arbeitsbedingungen (European Work Conditions Survey) fand heraus, dass über 70 Prozent der Befragten mit Rückenschmerzen auch über Stress berichteten. So kann Stress mit dem Chef, Probleme mit der Familie oder ein unverarbeiteter Trauerfall der Grund für die unangenehmen Rückenschmerzen sein.

Macht ja auch Sinn, schließlich ist unser Körper in dauerhafter Alarmbereitschaft, wenn er unter Stress steht. Das lässt unsere Muskeln anspannen und führt zu Verspannungen, die wiederum in chronischen Rückenschmerzen resultieren können.

Eine Studie aus Spanien um Alejandro Salazar von der Universität in Cádiz fand heraus, dass 50 Prozent der Studienteilnehmer mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen (also größtenteils Rückenschmerzen) auch unter Depressionen litten – was vorher nicht einmal diagnostiziert wurde. Die meisten dieser Patienten hatten aufgrund von Schmerzen mit Schlafstörungen zu kämpfen, was Depressionen begünstigt.

Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Hausärzte bei Menschen mit Schmerzen auch immer den geistigen Zustand überprüfen und sich nach der jeweiligen Stresslage des Patienten erkundigen sollten. 

Dieses bestätigt übrigens auch die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, die bei Rückenschmerzen schon lange auf eine Behandlung bestehend aus Physio-, Ergo- und Psychotherapie setzt. 

Der Schlüssel zur Heilung ist die ganzheitliche Betrachtung aus Körper, Geist und Seele 

Schmerzen sind ein Frühwarnsystem unseres Körpers, dass etwas gerade gewaltig aus dem Ruder gerät. Wie bei so vielen Beschwerden, ist es auch hier wichtig, nicht nur die Schmerzen isoliert zu betrachten, sondern Körper, Geist und Seele als Einheit anzuerkennen und ganzheitlich nach Ursachen zu suchen.

Was wir in der Schulmedizin jedoch häufig beobachten, ist das fokussierte Suchen auf nur einer Ebene – meist auf der körperlichen. Ist dann eine Vermutung gefunden, wird aggressiv mit Spritzen oder Medikamenten darauf eingedroschen. So einfach funktionieren wir Menschen aber nicht.

Schließlich lassen sich vor allem seelische Schmerzen nicht so einfach mit einer Pille herunterschlucken, sondern bedürfen einer tiefgehenden Therapie. Und manchmal – wie durch Zauberhand – lassen die Rückenschmerzen nach, wenn wir Konflikte lösen oder sinnbildlich “etwas von den Schultern werfen”, was wir schon lange mit uns herumschleppen.

Haben wir dich inspiriert, etwas von deinem Ballast abzuwerfen und deinem Rücken mehr Platz zum Atmen zu geben?

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unseren Artikel zu lesen. Nun wollen wir dich natürlich nicht einfach so gehen lassen, sondern dir einen Vorschlag machen, wie du deinem Wohlbefinden direkt etwas Gutes tun kannst.

Am Mittwoch, dem 7.10., findet um 18.30 wieder unsere Live-Class mit Chris statt. Es gibt 20 Minuten Live-Yoga. Das tut nicht nur verkürzten Muskeln gut, sondern wirkt entspannend auf Seele und Geist. Bist du bereit? Dann schreib‘s dir am besten direkt in den Kalender und los geht‘s.  

In unseren nächsten beiden Artikeln des diesmonatigen Themenmonats #painkillers findest du dann weitere Ansätze, wie du Rücken- oder Muskelprobleme ganzheitlich angehen und deine Selbstheilungskräfte aktivieren kannst.

Dein Humanoo-Team


Über die Autorin
Karina Schönberger ist Texterin und Content Strategin. Nach ihrem Studium hat sie viele Jahre in den Bereichen Marketing, PR und Events gearbeitet. Durch innere Arbeit, Yoga und Meditation hat sie den Weg in ein bewusstes Leben gefunden und entschieden, für sich selbst zu arbeiten. Heute lebt sie in Berlin und kreiert am liebsten Content über die wirklich wichtigen Themen im Leben wie Gesundheit, Transformation, gesunde Ernährung, Astrologie, Reisen, Yoga und Meditation. Die gebürtige Kasachin glaubt daran, dass jeder von uns ein erfülltes Leben verdient hat und die Kraft in sich trägt, zu heilen.

Written by Humanoo experts team

Written by Karina Schönberger

Originally published on 4. Oktober 2020

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