#Mentale Gesundheit #Smart Working

Arbeitest du noch – oder lebst du schon?

Finde heraus welcher Typ du bist

Es ist ein lauer Frühlingsabend, wir führen einen Smalltalk mit jemandem, dem wir gerade über den Weg gelaufen sind und irgendwann fällt die Frage aller Fragen: “Und, was machst du eigentlich so?”

Ab diesem Zeitpunkt gibt es unterschiedliche Wege, wie diese frische Unterhaltung weiter verlaufen könnte. Entweder die Augen des Gegenübers beginnen zu glänzen und es folgt ein 5-minütiger Monolog über die Aufgaben, Herausforderungen und schönen Seiten des Berufs. Oder aber, die Sache ist mit einem Satz abgehandelt, gefolgt von einem “Ah, cool” und einem neuen Gesprächsthema.

Laut Gallup Engagement Index 2020 sinkt die Zahl der loyalen Mitarbeiter immer weiter. Nur noch 61 Prozent der befragten Arbeitnehmer*innen beabsichtigen ohne Wenn und Aber noch in einem Jahr bei ihrer Firma zu bleiben. 2019 waren es noch 73 Prozent und 2018 sogar noch 78 Prozent. 37 Prozent sind sogar auf der Suche nach einem neuen Job. Laut dem Report haben innerlich rund 5,7 Millionen Angestellte bereits gekündigt. Das riecht nach Unzufriedenheit, oder? 


Wir von Humanoo haben uns diesen Monat deshalb gefragt: Welches Verhältnis können wir zur Arbeit haben und wann arbeiten wir gegen uns selbst? Daraufhin haben wir wild im Team diskutiert und sind zu dem Fazit gekommen, dass Arbeit auf drei unterschiedliche Weisen gelebt werden kann: Als Job, Berufung oder Karriere.

In diesem Artikel untersuchen wir, was die Stärken der einzelnen Typen sind. Schließlich ist dies sowohl für Führungskräfte als auch für HR-Abteilungen wichtig, um ihre Mitarbeiter*innen besser verstehen und ihnen die nötige Zufriedenheit bieten zu können.

Selbstverständlich ist uns klar, dass dies eine sehr pauschale Einteilung ist und Menschen zu vielfältig sind, um sich in drei Boxen stecken zu lassen. Lass dich also beim Lesen nicht verunsichern, wenn du dich vielleicht nicht unbedingt nur einem Typen zugehörig fühlst, sondern dir etwas aus jeder Kategorie bekannt vorkommt. 

Typ “Job”: Für mich ist der Beruf eine reine Einnahmequelle

Dieser Typ sieht die Arbeit als reinen Broterwerb, der es ihm oder ihr ermöglicht, ein Einkommen zu generieren. Das eigentliche Leben findet außerhalb des Jobs statt: Im familiären Rahmen, mit Freund*innen, Hobbies oder Weiterbildungen, die thematisch nichts mit dem Job zu tun haben.

Der Antrieb hier ist es, den Arbeitsstress nicht mit nach Hause zu nehmen. Dementsprechend gibt es meist klare Grenzen zwischen Job und Privatleben, die sich beispielsweise äußern können in der Einhaltung von Feierabend- und Pausenzeiten. Weil die Identifikation mit dem Arbeitgeber meist nicht über die Gehaltsabrechnung hinausgeht, ist es für diesen Typen auch einfacher, abzuschalten.

Das mag zwar im ersten Moment wenig befriedigend klingen, hat allerdings auch seine Vorteile, denn: 

  • Mitarbeiter*innen brennen seltener aus, weil sie sich von der Arbeit besser abgrenzen können. 
  • Es besteht eine höhere Reflexionsgabe, weil nicht alles vom Arbeitgeber grundsätzlich als positiv bewertet wird.
  • Es gibt weniger Konflikte, weil weniger Emotionen im Spiel sind. 
  • Niederlagen des Unternehmens werden besser weggesteckt. 

Interessant ist, dass die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten – ganze 68 Prozent (!) – dieser Gruppe angehören. Sie lieben den Dienst nach Vorschrift und wollen gar nicht emotional an ihren Arbeitgeber gebunden sein. Tja, das hätten wir jetzt auch nicht gedacht. 

Wenn du dich ebenfalls dieser Gruppe zugehörig fühlst, dann ist eines wichtig zu verstehen: Es ist nichts verkehrt daran, dich von deinem Job emotional abzugrenzen und ihn nicht als Berufung zu sehen, solange (!) du keinen inneren Widerstand spürst.  

Denn, Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter*innen, die innerlich schon auf Kündigung geschaltet haben, öfter den Job wechseln, einen Mangel an Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein haben. Das führt auch dazu, dass sie öfter im Jahr fehlen und weniger produktiv arbeiten (Gallup Index). 

Typ “Berufung”: Ich möchte mich in meiner Arbeit verwirklichen

Für diesen Typen bedeutet Arbeit Sinngebung. Der Job soll einen Purpose haben. Der Mensch will sich darin verwirklichen und zu etwas Größerem beitragen.

Die berufliche Tätigkeit soll die persönlichen Werte widerspiegeln. Damit dient der Job nicht allein dazu, den Lebensunterhalt zu bestreiten und die Karriereleiter hochzuklettern, sondern soll vor allem den eigenen Interessen entsprechen. Die Arbeit wird zum Ausdruck der persönlichen Identität. 

Laut der Studie “Meaning and Purpose at Work” sind sogar neun von zehn Befragten bereit, für sinnstiftende Arbeit, weniger Gehalt in Kauf zu nehmen.

Einer sinnhaften Beschäftigung nachzugehen, hat vor allem folgende Vorteile: 

  • Mitarbeiter*innen sind glücklicher, gesünder und damit kreativer in ihrem Job, weil der Job ihre Wertvorstellungen widerspiegelt.  
  • Es besteht eine größere Bereitschaft, über die Jobbeschreibung hinaus Verantwortung zu übernehmen und sich ins Zeug zu legen.
  • Die emotionale Verbindung zum Unternehmen fördert das soziale Klima innerhalb des Kollegiums und stärkt den Zusammenhalt. 
  • Großer Einsatz wird an den Tag gelegt, weil den Mitarbeiter*innen etwas an der Zielerreichung des Unternehmens liegt. 

Wichtig ist hierbei, dass “sinnstiftend” für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann. Während viele von uns dabei an Hilfsorganisationen, NGOs oder nachhaltig handelnde Unternehmen denken, kann es für den anderen bereits ein Handwerksberuf sein. 

So fand beispielsweise das Institut fürs Handwerkswesen in Göttingen bei einer Befragung heraus, dass 79 Prozent der Befragten Handwerker*innen, ihren Beruf als bedeutenden Teil ihrer eigenen Persönlichkeit sehen. 84 Prozent gaben an, dass sie stolz auf ihre Arbeit sind. Für 66 Prozent ist der Beruf sogar ihre Leidenschaft und 65 Prozent stimmen zu, dass der Beruf ihre Berufung ist. Spannend, oder? 

Typ “Karriere”: Mir geht’s darum, die Karriereleiter hochzuklettern

Diesem Typen geht es darum, Karriere zu machen, um einen gut angesehenen sozialen Status zu erlangen. Im Idealfall fallen im Lebenslauf die Namen großer Unternehmen und Konzerne. In vielen Fällen möchten Menschen hier Einfluss nehmen und tun fast alles, was dafür notwendig ist.

Dafür bringen Angestellte dieser Kategorie folgende Stärken mit: 

  • Sie sind in der Regel sehr stressresistent und bereit, viel Druck auszuhalten. 
  • Der Job steht an erster Stelle, deshalb ist auch die Leistungsbereitschaft sehr hoch. 
  • Es besteht eine große Verantwortungsbereitschaft und der Wille, andere im Team zu führen. 
  • Die Loyalität und Identifikation dem Unternehmen gegenüber ist meist recht groß, sodass alles für die Zielerreichung getan wird.

Wie finde ich heraus, was mir im Job wichtig ist? 

Egal, zu welcher (oder welchen?) der drei Kategorien du dich zugehörig fühlst, am Ende geht es immer darum, dass du im Berufsleben im Einklang mit deinen persönlichen Werten handelst. 

Das schafft Identifikation mit deiner Tätigkeit, setzt allerdings auch voraus, dass du deine persönlichen Werte kennst und weißt, was dir besonders am Herzen liegt und was für dich persönlich nicht verhandelbar ist.

Nun, wie findet man denn seine Werte? Gute Frage und ein Glück werden wir dir jetzt keinen Fragebogen anbieten, der dir mithilfe von Multiple-Choice-Fragen A bis D deine persönlichen Werte vorstellen wird. Diese Arbeit musst du schon selbst machen. Allerdings werden wir dir im Laufe dieser monatlichen Magazinreihe spannende Fakten und Gedanken zum Thema Beruf und Berufung präsentieren, sodass du immer wieder mit dir selbst einchecken kannst.

Die guten Nachrichten sind: Unbewusst hast du deine Werte bereits definiert und handelst täglich danach. Den meisten von uns ist es einfach nur nicht so bewusst. “Freundlichkeit”, “Ehrlichkeit”, “Verbindlichkeit”, “Vertrauen” oder “Erfolg” sind nur einige Beispiele. 

Wenn wir im Einklang mit unseren Werten handeln, sind wir zufriedener im Job

Wenn wir einem Job nachgehen, der unsere Werte widerspiegelt statt einfach nur stumpf Auferlegtes abzuhandeln, dann sind wir leistungsbereiter und mit mehr Leidenschaft bei der Sache. So gehen auch die täglichen Aufgaben leichter von der Hand.

Eine Studie der Wertestiftung hat herausgefunden, dass Mitarbeiter*innen zufriedener am Arbeitsplatz sind, wenn sie die persönlichen Werte ihrer Führungskraft wahrnehmen. Als Handlungsempfehlung für Führungskräfte und HR-Abteilungen können wir hieraus ableiten, dass in Gesprächen und Interaktionen nicht nur der reine Arbeitsinhalt vermittelt wird, sondern auch die Werte der eigenen Person miteinfließen. 

Weitere Umfragen zeigen: Wenn wir unzufrieden sind, ist es oftmals gar nicht so sehr der Job an sich, der uns nicht gefällt, sondern, dass wir nicht im Einklang mit unseren persönlichen Werten handeln.

Als Beispiel: Wenn du von Natur aus gern die Führung übernimmst und neue Dinge angehst, allerdings in einem Unternehmen arbeitest, wo keinerlei Spielraum hierfür besteht, dann wirst du sehr wahrscheinlich schnell eingehen wie ein verwelktes Blümchen.

Auf der anderen Seite: Wenn du Ordnung liebst und in einem Unternehmen angestellt bist, in dem Chaos wütet, wirst du sehr bald einen inneren Widerstand spüren, die Flucht ergreifen wollen und innerlich kündigen, wenn sich nichts verändert.

Es lohnt sich also immer herauszufinden, was dir besonders wichtig ist und was dich aufleben lässt bzw. wann du “zumachst” und blockierst. 

Lust, deine ganz persönlichen Parameter zu entdecken? 

Wie du merkst, gibt es nicht die eine Formel fürs ein glückliches Arbeitsleben. Genau, wie sich Menschen auch nicht in nur drei Boxen unterteilen lassen. Schließlich ist deine Persönlichkeit so unglaublich vielschichtig, dass nur du wissen kannst, was dich glücklich macht. Und vielleicht machen dich in unterschiedlichen Phasen deines Lebens unterschiedliche Aufgaben und Umfelder glücklich – auch das ist total in Ordnung. 

Umso wichtiger ist es zu lernen, deinem Geist und Körper bewusst zuzuhören und dich öfter mal zu Fragen “Handele ich gerade im Einklang mit meinen Werten?”.

Vor allem dann, wenn sich das nächste Mal wieder dein Magen zusammenkrampft (das wäre ein klares Zeichen, dass du gegen deine Werte handelst). Oder, wenn du nach einem Meeting im Dreieck springen könntest, weil es dir so viel Spaß gemacht hat (gutes Zeichen!).

Je mehr Bewusstsein du für deinen Alltag gewinnst desto einfacher wirst du deine Werte definieren können und spüren, was dir gut tut und was nicht. Von da aus ist es nur noch ein Katzensprung, auch den richtigen Job mit den richtigen Aufgabenbereichen zu finden, der dich langfristig glücklich macht. 

Wir freuen uns darauf, dich bei diesem Weg begleiten zu dürfen. 
Dein Humanoo-Team 

Written by Karina Schönberger

Originally published on 2. Mai 2021

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