Am Fasten scheiden sich die Geister. Einerseits hat es gesundheitliche Vorteile, doch andererseits muss dafür gehungert werden – richtig? Nicht so ganz! Wenn man es genau nimmt, sind Hungern und Fasten völlig unterschiedlich. Per Definition ist Fasten der freiwillige Nahrungsverzicht, Hungern der unfreiwillige. Das klingt vielleicht zunächst trivial. Ob die positiven gesundheitlichen und psychischen Effekte eintreten, die das Fasten verspricht, hängt aber genau von diesem Unterschied ab.

Die alljährliche Fastenzeit nutzen viele Menschen, um sich in Enthaltsamkeit zu üben. Dabei kann der Fastengedanke auf alles mögliche projiziert werden, wie der Verzicht auf das Rauchen, Fernsehen, Schokolade oder Alkohol. Die klassische Variante ist jedoch der Verzicht auf Nahrung. Ob nun aufgrund von Religion, für die Gesundheit oder einfach für mehr Wohlbefinden – Gründe für das Fasten gibt es viele. Nur wie läuft das eigentlich ab?

Die religiöse Fastenzeit, die traditionell 40 Tage andauert, könnte in diesem Jahr nicht ungünstiger beginnen. Start ist der 14.02.2018 also Valentinstag, Ende ist am 29.03.2018. Ein Valentinstag ohne Schokoladenherzen oder romantisches Essen im Kerzenschein? Ich sehe die verzweifelten Paare schon vor mir. Natürlich kannst du generell mit dem Fasten beginnen wann du möchtest. Deshalb stelle ich dir hier das Buchinger Heilfasten vor.

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Eine Information vorab: Fasten, um Schlacke loszuwerden bringt nichts. Schlacke im menschlichen Körper existiert nicht. Keine seriöse Quelle wird etwas anderes behaupten. Du wirst durch das Fasten also deine Gefäße nicht reinigen können. In diesem Zusammenhang sollte auch der bekannte Detox-Gedanke kritisch hinterfragt werden, dessen Ziel es ist besagte (nicht vorhandene) Schlacke loszuwerden. Dennoch ist es für den einen oder anderen sinnvoll zu fasten, da ein gesundheitlicher Zugewinn bei bestimmten Erkrankungen nachweisbar ist. So können sich die Beschwerden unter anderem bei Rheuma, Gicht, hohem Blutdruck und Diabetes Typ 2 verringern.

Beim Buchinger Heilfasten handelt sich um eine Kur, bei der nur Gemüsebrühen, Tees oder Säfte erlaubt sind. Nach dem ersten Entlastungstag beginnt dann das eigentliche Fasten. In den folgenden 5 Tagen stehen mindestens 3 Liter Flüssigkeit auf dem Speise- bzw. eher Trinkplan. Zum Frühstück tauschst du Brötchen gegen Tee mit Honig. Mittags gibt es statt Nudeln eine Gemüsebrühe. Nachmittags wieder Tee. Obstsaft oder Gemüsebrühe ersetzen schließlich dein Abendessen. Klingt hart? Es kommt noch anstrengender: Sogar leichte sportliche Aktivitäten sind vorgesehen.

Statt der totalen Crash-Diät gibt es beim Buchinger Heilfasten vereinzelte, einsame Kalorien, die deinen Stoffwechsel aktiv halten sollen. Die Kalorienzufuhr sollte sich bei unter 500 kcal einpendeln. Klingt nicht schlecht. Allerdings ist diese Fastenart nicht zwangsweise für jeden das Richtige. In manchen Fällen rate ich dir sogar entschieden von dem Selbstversuch ab.

Du solltest nicht Fasten, wenn du…

  • psychisch stark belastet bist.
  • Untergewicht hast.
  • an Schilddrüsenüberfunktion, Leber- oder Nierenerkrankungen leidest.
  • schwanger bist oder stillst.

Nachvollziehbar ist auch, dass Jugendliche oder Kinder nicht fasten sollten. Während des Fastens sollte zusätzlich auf Alkohol und Zigaretten verzichtet werden. Falls dir das zu schwer fällt, lass das Fasten lieber zunächst und beginne mit dem Verzicht auf diese Genussmittel.

Am sichersten ist, wenn du vor dem Fastenbeginn mit einem Arzt über dein Vorhaben sprichst. Gibt dir dieser grünes Licht, kann es losgehen. Der Start ist der Entlastungstag, wähle dafür am besten eine stressarme Zeit. Optimalerweise hast du Urlaub und keine stressigen Vorhaben. Am Starttag gibt es 600 kcal in Form von Kohlenhydraten und sehr wenig Proteinen. Du kannst z.B. bis zu 2 kg frisches Obst auf 5 Mahlzeiten verteilt essen. Wenn du empfindlich auf diesen Berg Obst reagierst, kannst du auch einen Reistag oder Hafertag einlegen. Fett wird völlig aus deiner Ernährung verbannt.

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Danach sollte z.B. durch Glaubersalz-Einnahme der Darm gründlich entleert werden. Hast du den Entlastungstag überstanden, folgt das eigentliche Heilfasten. Dein Tagesablauf kann z.B. so aussehen:

  • Frühstück: 250 ml Tee mit etwas Honig
  • Mittags: 250 ml frisch gepresster Fruchtsaft
  • Nachmittag: 250 ml Tee mit etwas Honig
  • Abends: 250 ml Gemüsebrühe

Über den Tag verteilt solltest du dazu mindestens 2 Liter Flüssigkeit trinken. Wasser oder Tee sind immer erlaubt. Hast du die ersten 7 – 18 Fastentage gemeistert, solltest du aber nicht direkt wieder wie vor der Fastenperiode essen. Am letzten Fastentag solltest du deinen Körper zu Mittag z.B mit einem Apfel wieder an feste Nahrung gewöhnen. Wichtig ist dabei, dass du darauf achtest sehr gründlich zu kauen. Abends kannst du statt der Brühe nun z.B. eine Gemüse-Kartoffelsuppe essen. An den folgenden Aufbautagen solltest du deine Kalorienaufnahme langsam steigern, sonst droht auch hier ein Jojo Effekt. Dieser ist ein deutlich Anzeichen dafür, dass du du zu schnell wieder zu viel gegessen hast. Es heißt also: Diszipliniert bleiben!

Auswirkungen

Hast du es durchgehalten, kannst du zu Recht stolz auf dich sein. Der Nahrungsverzicht wirkt sich insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Arthritis oder Rheuma positiv aus. Des Weiteren zeigt sich eine positive Auswirkung auf das Vorbeugen von Demenz, Alzheimer und Parkinson. In Tierversuchen zeigte sich außerdem, dass die Lebenserwartung von fastenden Mäusen um ganze 30% stieg.

Der Knackpunkt ist in meinen Augen gleichzeitig Vor- und Nachteil: die Stimmungsaufhellung. Nach dem Fasten wirst du dich super fühlen! Das ist klasse, aber es bedeutet auch, dass die ernstzunehmende Gefahr besteht nach dem Fasten süchtig zu werden. Das liegt am Serotonin, unserem Glückshormon. Durch den freiwilligen Nahrungsverzicht nimmt die Dichte der Serotonin-Transporter ab. Das stabilisiert unsere Stimmung, denn wenn der Körper das Glückshormon ausschüttet, wirkt es nun wesentlich länger. In Situationen die von Angst und Stress geprägt sind, machen sich viele Menschen diesen Effekt zu Nutze und essen in dieser Zeit (unkontrolliert) einfach gar nichts – und fühlen sich dabei gut! Besonders gefährdet sind davon Jugendliche, da bei ihnen der Prozess noch leichter ausgelöst werden kann.

Wenn du zwar die Vorteile des Fastens für dich nutzen möchtest, aber dir diese Methode zu streng scheint, kannst du dich auch für eine andere, mildere Fastenart wie dem intermittierenden Fasten, entscheiden. Diese Methode empfinden viele als alltagstauglicher. Einen Versuch solltest du auf jeden Fall starten, wenn du diszipliniert bleibst, wirst du davon profitieren!

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