Sport gegen Kopfschmerzen – eine Alternative zu Medikamenten?

Ronja Scholz

Jeder kennt sie und jeder hatte sie schonmal. Die einen nur ab und zu, die anderen fast täglich. Kopfschmerzen sind eine der häufigsten, gesundheitlichen Beschwerden.

Fast ein Drittel der Frauen und 18% der Männer gaben bei einer aktuellen Befragung an, mehrmals im Monat unter Kopfschmerzen zu leiden.1 Die Lösung ist dann oft nur der Griff zur Schmerztablette. Viele möchten aber genau das vermeiden und sind auf der Suche nach Alternativen. Ist Sport dafür das Richtige? Und falls ja, gilt das für alle Arten von Kopfschmerzen?

Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen

Apropos Arten von Kopfschmerzen – sage und schreibe 240 verschiedene Kopfschmerzarten werden nach der aktuellen Klassifikation der internationalen Kopfschmerzgesellschaft unterschieden. Diese werden in primäre, sekundäre und “andere” Kopfschmerzen unterteilt. Zu den primären Kopfschmerzen zählen Migräne, Spannungskopfschmerzen und sogenannte Clusterkopfschmerzen (sehr starke einseitige Kopfschmerzattacken im Augen – und Schläfenbereich). Hierbei sind die Kopfschmerzen selbst die Erkrankung, eine Ursache ist jedoch unbekannt, was die Behandlung besonders erschwert. Die sekundären Kopfschmerzen sind Begleiterscheinungen einer anderen Erkrankung, wie beispielsweise einer Erkältung oder eines Unfalls, und verschwinden in der Regel, wenn die eigentlich Erkrankung überwunden ist. Daher ist Sport in diesen Fällen natürlich keine geeignete Therapieform. Doch wie sieht es bei den primären Kopfschmerzen aus?

Ähnlicher Erfolg wie mit Medikamenten

Regelmäßiger, moderater Ausdauersport wird häufig auch bei anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Depressionen empfohlen, so auch bei Migräne. Eine schwedische Studie aus dem Jahr 2011 hat beispielsweise Ausdauersport im Vergleich zu einem Entspannungstraining und einem Migränemedikament bei 91 Migränepatienten getestet.2 Das Sportprogramm bestand aus einem 40-minütigen Training, das 3 mal wöchentlich ausgeführt wurde. Nach drei Monaten ist in allen drei Gruppen die Attackenhäufigkeit um eine Attacke pro Monat zurückgegangen. Das zeigt, dass mit zwei Therapieverfahren ohne Medikamente ähnliche Ergebnisse erzielt werden können, wie mit einem Medikament. Die Studienlage zu diesem Thema ist zwar noch ausbaufähig, allerdings deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Sport eine geeignete Alternative bei Migränekopfschmerzen sein kann.

Auf die Art der Bewegung kommt es an

Sport ist hierbei natürlich auch nicht gleich Sport. Das Boxtraining oder ein hoch intensives Sprungkrafttraining ist nicht die beste Wahl bei pochenden Schmerzen im Kopf. Solche Belastungen können bei untrainierten Patienten sogar verstärkt die Kopfschmerzen auslösen. Moderater Ausdauersport, wie Radfahren oder Schwimmen sind dagegen optimal geeignet. Aber auch ein Entspannungstraining oder Yoga sind vor allem bei stressbedingten Kopfschmerzen hilfreich. Davon profitieren sowohl dein Geist als auch dein Körper.  

Falls du auch unter regelmäßigen Kopfschmerzen oder sogar Migräne leidest, solltest du auf jeden Fall ein Kopfschmerztagebuch führen. So kannst du und auch dein Arzt genau sehen, wann die Schmerzen auftauchen und welche sogenannten “Trigger” die Attacken auslösen. Dabei kannst du dann auch selbst beobachten, ob Sport für dich eine wirksame Alternative zu Medikamenten ist. Einen Versuch ist es definitiv wert.

 

1 Statista (2017). Häufigkeit von Kopfschmerzen in Deutschland nach Geschlecht und Altersgruppe im Jahr 2017. Zugriff am 21.12.2017 unter <rel=“nofollow“ a href=“https://de.statista.com/statistik/daten/studie/282330/umfrage/haeufigkeit-von-kopfschmerzen-in-deutschland-nach-geschlecht-und-altersgruppe/“>https://de.statista.com/statistik/daten/studie/282330/umfrage/haeufigkeit-von-kopfschmerzen-in-deutschland-nach-geschlecht-und-altersgruppe/

2 Varkey, E.; Cider, A.; Carlsson, J. & Linde, M. (2011).  Exercise as migraine prophylaxis: A randomized study using relaxation and topiramate as controls. Zugriff am 21.12.2017 unter <rel=“nofollow“ a href=“https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3236524/“>https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3236524/