So wirkt sich die Zeitumstellung auf Körper und Geist aus

HUMANOO Expertenteam

Dieses Wochenende ist es wieder soweit: Die Uhren werden von Sommer- auf Winterzeit umgestellt. Eine Abschaffung der Zeitumstellung stand zuletzt im Diskurs der Öffentlichkeit. HUMANOO erklärt dir, was die Zeitumstellung mit deinem Körper und Geist macht.

In der Nacht vom Samstag den 27. Oktober bekommen wir eine Stunde mehr Schlaf geschenkt. Denn die Uhren werden um drei Uhr morgens um eine Stunde zurückgestellt. Damit beginnt offiziell die Winterzeit und es wird künftig auch eine Stunde früher dunkel.

In den letzten Monaten wurde in der Öffentlichkeit stark diskutiert, ob die Zeitumstellung komplett abgeschafft wird. Es gab sogar eine Online-Umfrage, ob die Europäer künftig nur noch in der Sommerzeit leben wollen. Das Ergebnis: 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer stimmten für ein Ende der Zeitumstellung. Noch gibt es von der EU-Kommission noch keine endgültige Entscheidung, wie es mit der Sommer- und Winterzeit weitergeht.

Prinzipiell begrüßen Wissenschaftler das Ende des jährlichen Vor- und Zurückstellens der Uhren. Es widerspreche der natürlichen Biologie. Einige Wissenschaftler warnen jedoch, dass eine reine Sommerzeit negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.  

Bedenken der Wissenschaft

Till Roenneberg, Biologe am Institut für Medizinische Psychologie der Universität München, erklärt: „Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme – das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger.“ Der Wissenschaftler prognostiziert noch weitere fatale Auswirkungen: „Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch überholen.“ Denn vor allem Schüler und Studenten seien betroffen, weil Lernen und das Gelernte zu verarbeiten bei zu wenig Schlaf stark eingeschränkt werde. Russland habe schon einmal versucht, dauerhaft die Sommerzeit einzuführen – und sei damit gescheitert, sagt Roenneberg.

Das Problem

Bei einer dauerhaften Sommerzeit müssen wir an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen als heute und grundsätzlich weniger Schlaf bekommen wir auch. Denn wenn es durch die Sommerzeit abends länger hell ist, setzt die Produktion des Schlafbotenstoffs Melatonin erst später ein. Das heißt, man wird später müde, muss morgens aber trotzdem früh aufstehen. Schlafforscher Hans-Günter Weeß sagte kürzlich: “Mit der Zeit droht ein Schlafmangel – wir werden noch mehr zu einer chronisch unausgeschlafenen, übermüdeten Gesellschaft.“

Gesundheitliche Probleme bei der Zeitumstellung

Doch auch die derzeitige Zeitumstellung geht nicht an jedem spurlos vorüber. Die Komplikationen sind sehr individuell und unterschiedlich. Ingo Fietze, Schlafforscher von der Berliner Charité, sagt: Ein Drittel der Deutschen sind begnadete Schläfer. Die interessiert das alles gar nicht. Ein Drittel sind schlechte und ein Drittel sensible Schläfer“. Und diese litten unter dem Hin und Her wie unter einem Jetlag. „Normalerweise braucht man für eine Stunde Zeitverschiebung einen Tag zur Gewöhnung – es darf auch bei manchen zwei oder drei Tage dauern.“

Die Symptome wie etwa Schlafstörungen, Unwohlsein am Tag oder leichte Magen-Darm-Probleme seien jedoch verkraftbar, so Fietze. Große medizinische Probleme seien ihm nicht bekannt. Dennoch sei die Uhrenumstellung Unsinn: „Unser ganzer Biorythmus ist dem Hell-Dunkel-Wechsel angepasst. Künstlich daran zu manipulieren, macht keinen Sinn und das versteht der Körper auch nicht.“

Woher kommen Rückenschmerzen und was hilft wirklich?